














Von Klaus Holzhauser
Unter Application Management versteht man die Wartung und Weiterentwicklung eingeführter Anwendungssysteme, oder anders gesagt das Incident Management, die Abwicklung von „Changes“ und „Enhancements“, wobei anzumerken ist, dass es sich neben den Incidents meist nur um Minor Changes und Minor Enhancements handelt. Durch die Übertragung dieser Aufgaben an einen qualifizierten und spezialisierten Anbieter lassen sich eine Vielzahl von Optimierungen umsetzen, die zu einer signifikanten Reduzierung der Aufwände führen, wie z.B. eine standardisierte und industrialisierte Delivery unter Einbeziehung von Near- und Offshore-Ressourcen, oder die Nutzung einer global einheitlichen Knowledge Database um die Wiederverwertung von Problemlösungen zu verbessern und somit eine höhere Effizienz zu erreichen. So lassen sich durch ein professionelles Applikation Management bereits viele Kosten- und Nutzenpotentiale realisieren.
Welchen Schritt weiter gehen nun Application Lifecycle Services?
Application Lifecycle Services (ALS) ergänzen das klassische Application Management (die Wartung und Weiterentwicklung im engeren Sinn) um die gesteuerte und geplante Umsetzung von Innovation, sei es hinsichtlich technischer oder Plattform-bezogener Innovation, sowie der konsequenten Ausrichtung am Business-Value, d.h. der kontinuierlichen Anpassung an sich ändernde Geschäftsanforderungen. Application Lifecycle Services haben die Zielsetzung, die Wartungskosten durch Produktivitätssteigerung in der Applikationsbetreuung zu verringern sowie den Wert der Applikation für das Unternehmen durch eine kontinuierliche Anpassung und Verbesserung zu steigern. Das Applikation Management hat sich in den letzten Jahren als eine feste Größe der Services, die von externen Partnern erbracht werden, etabliert. Im Vordergrund stand hierbei zumeist die Kosteneinsparung. Durch die Notwendigkeit immer schneller und flexibler auf sich ändernde Marktgegebenheiten zu reagieren, stieg der Bedarf, der internen IT weiteren Freiraum zu schaffen, um das Business besser bei der Schaffung von Wettbewerbsvorteilen und auf dem Weg zum agilen Unternehmen zu unterstützen.
Somit ist aber ebenfalls der Bedarf gestiegen, die Applikationslandschaft über den gesamten Lebenszyklus in die Verantwortung eines kompetenten Partners zu übergeben, der nicht nur die Applikation „am Leben erhält“ und ihre Fehler beseitigt sondern auch die Wert der Applikation für das Business gewährleistet bzw. steigert. Als Antwort auf diese Herausforderungen haben sich aus dem Application Management die Application Lifecyle Services entwickelt. Application Lifecycle Services stellen aber auch neue Anforderungen sowohl an den Kunden als auch den Provider. Um ALS für beide Seiten erfolgreich zu gestalten, bedarf es vor allem einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die stärker am geschäftlichen Nutzen orientiert ist. Weiterhin reicht es für den Provider nicht aus, dass er über eine standardisierte und industrialisierte Delivery für Commodity- Services verfügt: Durch die größere Verantwortung des Providers, Innovation in der Applikation und ihren Geschäftsnutzen voranzutreiben, ist eine größere Kompetenz hinsichtlich neuer Technologien und der vertikalen Prozesse des Kunden notwendig.
Eine hochindustrialisierte Delivery, die primär auf Commodity-AM-Services ausgerichtet ist, reicht hierfür nicht aus. Der Provider muss einerseits über tiefgreifende Prozess- und Industrieexpertise verfügen und andererseits die geschäftlichen Herausforderungen des Kunden verstehen sowie die Applikationen gemeinsam mit dem Kunden bedarfsgerecht ausrichten. Um dies effektiv und aber auch zu attraktiven Kosten leisten zu können, bedarf es einer gut integrierten und ausbalancierten Delivery mit Commodity Services „offshore“, der fachlichen Beratung „onsite“ sowie einem entsprechenden Kompetenzzentrum für die einzelnen Fachprozesse und die technologischen bzw. plattform-relevanten Themen.
Vor der Entscheidung, welche Applikationen ein Kunde im Rahmen von ALS an einen Provider vergibt, steht jedoch auch immer eine genaue Prüfung, inwiefern diese Applikation und das zu Grunde liegende Know-how selbst zum Kerngeschäft des Kunden gehört, beziehungsweise muss auch die Frage beantwortet werden, ob der Provider mit seiner fachlichen Expertise einen Mehrwert bringen kann, der den Business-Value der Applikation noch weiter verbessert. Diese Abwägung ist eine wesentliche Grundvoraussetzung im Sinne einer Make-or-Buy-Entscheidung. Hinsichtlich der Entscheidung, welche Aufgaben der Kunde selbst im Application Lifecycle erbringen möchte bzw. sollte, sollte nach Ansicht von PAC die eigene Wertschöpfung in der IT den selben Fragestellungen unterworfen werden, die auch die Industrie in der industriellen Fertigung ansetzt: Welche Wertschöpfung und damit „Fertigungstiefe“ muss ich als Kunde im Rahmen von Application Lifecycle bei mir behalten und welche Teile der Wertschöpfung im ALS kann oder sollte ich an meinen Partner (den IT Service Provider) geben?
Wenn ich als Anwender diese beiden Grundsätze – die Bewertung hinsichtlich der Zugehörigkeit zum Kerngeschäft sowie die für mich passende Wertschöpfung im ALS einer Applikation – detailliert festlege, werde ich als Kunde aus der Zusammenarbeit im ALS mit dem passenden Partner auch den richtigen Mehrwert hinsichtlich Kostenreduzierung einerseits und besserer Geschäftsunterstützung durch die Applikation andererseits ziehen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass ALS ganz klar über das klassische Application Management hinaus geht und den kostenorientierten und industrialisierten Ansatz für Incident- und Minor-Changes-Aktivitäten signifikant erweitert: Im ALS wird nun zusätzlich sicher gestellt, dass die Anwendung bzw. Anwendungslandschaft die sich ändernden Geschäftsanforderungen unterstützt. Somit schafft ALS, im Unterschied zum AM, einen signifikanten, geschäftsorientierten Mehrwert für das Unternehmen und bietet dem IT-Verantwortlichen somit die Chance, sich von einer primären Kostenoptimierungsrolle zu einer ‚Business Enabler’-Rolle zu entwickeln.
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