














Von Olivier Rafal
SAP sah sich in Madrid mit einer gewaltigen Herausforderung konfrontiert: Wie organisiert man eine riesige Anwenderkonferenz, wenn man eigentlich keine Neuigkeiten anzukündigen hat? Dafür verlief es aber recht gut. SAP kommunizierte hauptsächlich über die vier strategischen Bereiche, auf die sich die Firma konzentriert und in denen sie Lösungen anbietet, was letztendlich auch ein schönes Bild abgab. Diese vier Bereiche sind: die zentrale Basis (z.B. ERP, aber auch Analytics) sowie die drei Innovationsfelder Mobility, Cloud und In-Memory. Die Botschaft, die SAP vermitteln möchte, ist, dass der Softwareanbieter seine Kunden bei der Transformation ihres Business durch Innovation unterstützt, während die Basis solide bleibt.
Mobility und Cloud werden durch die „Konsumerisierung“ angetrieben: Innovationen im Verbraucherumfeld befruchten den IT-Markt. In gewisser Weise resultiert auch der In-Memory-Trend aus dem Konsumentenbereich, da das Business mit sich schnell ändernden Bedürfnissen und abwandernden Kunden mithalten muss. Jim Hagemann Snabe, der Co-CEO von SAP, zitierte in seiner Sapphire-Keynote einen Kunden folgendermaßen: SAP ist jetzt “simpel wie Apple und schnell wie Google” und ist zudem im Zentrum des IT-Systems. Innerhalb von Sekunden bietet es Einblicke in BI, liefert vierteljährlich Innovationen, unterstützt Ihre Mobilität, begleitet Ihr Wachstum mit Lösungen in der Cloud oder vor Ort…
Das klingt gut, oder? Ja, doch gibt es noch Herausforderungen, und PAC ist der Meinung, dass SAP noch ein ganzes Stück Weg vor sich hat, sich selbst neu zu definieren und in dieser neuen Gestalt die Verbindung mit Kunden und Partnern neu aufzubauen. Sehen wir uns das einmal genauer an.
Das ERP-Kernsystem, Datenanalyse und mehr
Es ist nichts Neues, dass ERP die Basis darstellt, auf die SAP aufbaut. Aber das stand nicht im Mittelpunkt der Keynotes. Jim Snabe bestätigte lediglich SAPs Absicht, vierteljährlich Innovationen zu realisieren. Außerdem verkündete er, dass SAP die Mainstream-Wartung für SAP Business Suite 7, einschließlich SAP ERP 6.0, um fünf Jahre bis 2020 verlängert habe. Aber selbst mit RDS (Rapid Deployment Solutions) dauert es Monate, neue Elemente in ein laufendes ERP-System zu implementieren (Vorbereitung, Integration, Tests…). Das vierteljährliche Bereitstellen neuer Technologien wurde von SaaS-Firmen angeregt – und das nicht ohne Grund. Die einzigen SAP-Kunden, die wirklich davon profitieren werden, sind die, die den Mut aufbringen, ihre Systeme in die Private Cloud zu verlagern, da Virtualisierung das Leben des IT-Personals beträchtlich vereinfacht. Man bedenke nur, wie Accenture oder Capgemini mit ihren Private-Cloud-Angeboten die Dinge für SAP-Kunden noch beschleunigen können.
Jim Snabe meinte, dass auch Analytics neben ERP zum Kern des SAP-Angebots gehöre. Das ist ein interessanter Ansatz, der zeigt, wie sehr sich bei SAP der Business Objects-Schwerpunkt auf Informationsmanagement durchgesetzt hat. Somit lässt sich auch gut HANA einführen, die In-Memory Datenbank-Technologie, die alle Arten von Daten speichert, alle Arten von Anfragen erlaubt und Ergebnisse innerhalb von Sekunden verspricht. Die Wettbewerber sprechen in der Regel von “Big Data”, definiert durch drei “V”: Der Umgang mit riesigen Daten-Volumina unterschiedlichster Art (Variety) mit hoher Geschwindigkeit (Velocity). Aber “Big Data” werden oft auch mit NoSQL-Datenbanken oder Hadoop-Implementierungen assoziiert, die nicht in SAPs Betätigungsfeld liegen – obwohl Sybase definitiv mit diesem Gedanken spielt. SAPs Antwort auf die “Big Data”-Herausforderung ist die Implementierung von HANA. Eigentlich können laut SAP alle Datenbankprobleme mit HANA gelöst werden: Vishal Sikka, SAPs CTO, erklärte, dass zukünftige ERP-Versionen darauf aufgebaut würden. SAP deutet jedoch auch an, dass sich sein Sybase ASE (Adaptive Server Enterprise) sehr gut für Transaktionssysteme eignet, und Sybase IQ als Nearline-Storagelösung für alte Daten fungieren kann (deren Speicherung mit HANA zu teuer wäre). In Diskussionsrunden und Foren fanden einige Kunden diese “eine Datenbank für alle Workloads” sehr faszinierend.
Zweifellos ist HANA das Kernstück von SAPs Strategie. Für SAP ist HANA eine Plattform für analytische sowie Transaktions-Workloads. Geschäftsanwendungen werden auf HANA laufen – entweder als brandneue Lösungen oder als mit HANA betriebene Alternativen für Funktionen, die derzeit Teil von SAP ERP sind. Erste Beispiele sind die so genannten HANA-Beschleuniger.
Im Moment liegt die Herausforderung darin, SAP-Kunden, die Business Warehouse (SAP NetWeaver) auf einer Datenbank von z.B. Oracle oder zusammen mit einem Data Warehouse von Teradata betreiben, zu überzeugen, dass HANA die Leistung ihrer Anwendungen drastisch erhöhen kann und sich somit in kurzer Zeit amortisiert. So war es natürlich für die Kunden in den Diskussionsrunden und Foren. Aber bessere Datenvisualisierungs-Tools könnten die Geschichte noch spannender machen. BO ist ein hervorragendes Tool für Experten um Daten zu aggregieren und Reports zu erzeugen, aber einer der Vorteile von HANA ist, dass es die Anwender nicht mehr zwingt, solche Cubes zu bauen: Wenn all diese Daten griffbereit sind, wäre ein Tool mit der Ergonomie und dem Konzept einer Anwendung wie Tableau oder Qlikview das ideale Programm für die neue SAP “Try and Buy”-Philosophie.
Die Innovationsbereiche … und alles andere
Cloud Computing ist eine andere große Herausforderung für SAP. Das Unternehmen muss sich an diese neue Art des „Softwarekonsums“ anpassen. Aber zumindest ist diese Strategie jetzt klar definiert mit verschiedenen SaaS-Angeboten für Firmen, Geschäftsbereiche und Einzelpersonen, sowie einem Mechanismus für Partner, um Lösungen auf SAP PaaS aufzubauen und über einen Application Store (SAP Store) zu verkaufen. Die Hauptziele sind: Präsenz in Märkten, auf denen SaaS erfolgreich ist (CRM, HR…); Entwicklungspotenziale für die aussichtsreichsten kleinen Firmen anzubieten; und bereit zu sein für die allgemeine Verbreitung mobiler Geräte zur Nutzung und Interaktion mit SAP-Software.
Auch hier macht die Strategie Sinn. SAP muss nun noch die Einzelheiten ausarbeiten, um eine Einführung in großem Stil zu vereinfachen. Im Bereich Entwicklung und Middleware müssen NetWeaver-Architektur und – Tools angepasst werden, um eine einheitliche Plattform für sowohl On-Premise – als auch Cloud-Implementierungen zur Verfügung stellen zu können. Leider wurde in der Keynote auf NetWeaver nur sehr kurz eingegangen, und zwar im Zusammenhang mit dem River-Projekt. Was Services betrifft, so ist die Schaffung eines großen Ökosystems aus ISVs und Systemintegratoren essenziell für den Erfolg dieser Strategie.
Zu Mobility gab es weder von Jim Snabe noch von Vishal Sikka Einzelheiten. Es hieß lediglich, dass sich die SAP-Lösungen auf mobile Sybase-Infrastruktur (SUP, Sybase Unwired Platform) stützen. Und als sie über Hardware sprachen, dann nur aus dem einen klar ersichtlichen Grund: um Offenheit zu demonstrieren – als Gegenstück zu Oracles Strategie, könnte man meinen. Aus PACs Sicht sollten sich die Kunden keine Gedanken mehr um Hardware machen müssen. Oracle bietet hier eigene Appliances. SAP hält sich mehr Optionen offen: So stützt sich das Unternehmen auf Partner wie HP oder Fujitsu bei der Entwicklung und Vermarktung von Anwendungen für HANA und setzt auf On-Demand-Lösungen sowie Private Clouds für seine Softwarepaket-Lösungen.
Tatsächlich, bei SAP gibt es eine Menge Neuigkeiten.
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