














Von Karsten Leclerque
Mehr als 110 Milliarden Euro werden 2011 in Deutschland in Informationstechnologie investiert. Gut 30 Prozent hiervon, rund 33,5 Milliarden Euro, werden 2011 in extern erbrachte Dienstleistungen fließen, sprich in Projekte, Wartung und Outsourcing.
Damit hat Deutschland noch nicht gänzlich an Dienstleistungsgesellschaften wie z.B. Großbritannien aufgeschlossen – der Dienstleistungsanteil liegt hier bereits bei über 40 Prozent. Der Serviceanteil erhöht sich aber seit Jahren beständig und wird v.a. durch externe Betriebsmodelle unterschiedlichster Couleur weiter an Bedeutung gewinnen.
Machten noch vor zehn Jahren Dienstleistungen weniger als ein Viertel der deutschen IT-Ausgaben aus, erwartet PAC für die kommenden zehn Jahre einen Anstieg auf 44 Prozent. Nicht zuletzt werden wir eine Verschiebung von Hard- und Softwareprodukten hin zu Services beobachten, durch klassische Externalisierung wie Outsourcing, aber auch durch die vielfältiger werdenden „as-a-Service“-Angebote.
Die aktuellen Entwicklungen im lokalen IT-Servicemarkt untersucht das Marktanalyse- und Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) im Rahmen seiner Research-Programme für die DACH-Region: „Outsourcing, Cloud & Managed Services“ sowie „Project Services“.
Ein kurzer Rückblick: langsame Erholung in 2010
Nach einem massiven, krisenbedingten Einbruch im Jahr 2009 konnte das Projektgeschäft 2010 um fast 1,5 Prozent zulegen. V.a. führte die positive Wirtschaftsentwicklung zu wieder zunehmendem Vertrauen in die zukünftige Entwicklung und damit einer steigenden Investitionsbereitschaft. Zusätzlich zu bereits laufenden Projekten, insbesondere im Umfeld Konsolidierung, Harmonisierung, und Compliance, wurden neue Themen angegangen, die während des Krisenjahres identifiziert wurden; darunter beispielsweise Business Intelligence oder Unified Communication. Zudem bestand Nachholbedarf hinsichtlich zuvor auf Eis gelegter Projekte. Gebremst wurde die Entwicklung allerdings durch den nach wie vor herrschenden signifikanten Preisdruck.
Outsourcing kam 2009 zwar angesichts eines knappen Prozentpunkts im Plus mit einem blauen Auge aus der Krise; die sonst für Outsourcing typische antizyklische Wachstumsbeschleunigung früherer Krisen aber blieb weitgehend aus. Outsourcing kann zwar prinzipiell helfen, kurzfristig Kosten zu senken, aber die Verunsicherung über die weitere Entwicklung der Märkte war allgegenwärtig und Entscheidungen wurden nur zögerlich getroffen. Immerhin, dank der 2009 angestoßenen Dynamik konnte der Outsourcing-Markt bereits 2010 wieder um gut 3 Prozent an Volumen hinzugewinnen.
Lediglich die Hardware-Wartung, schon heute nur noch weniger als 10 Prozent des deutschen IT-Servicemarktes, verliert stetig an Bedeutung. Zwar muss immer komplexer werdenden Landschaften, die zudem immer höheren Ansprüchen an die Verfügbarkeit gerecht werden müssen, mit innovativen Wartungskonzepten Rechnung getragen werden – Stichwort „Proactive Maintenance“. Aber der Preisverfall in diesem Segment bleibt vehement und die geforderte „Proaktivität“ wird zunehmend direkt in Form von Managed Services bzw. Outsourcing gewährleistet.
Damit konnten weder die IT-Ausgaben insgesamt, noch IT-Services in Summe mit der positiven gesamtkonjunkturellen Entwicklung 2010 mithalten. Allerdings war auch der Einbruch im Vorjahr weniger ausgeprägt. Insbesondere hat sich wieder einmal gezeigt, dass sich vor allem jene IT-Anbieter am resistentesten in Krisenzeiten erweisen, die ein ausgewogenes Portfolio vorweisen können, inklusive eines signifikanten Anteils langfristiger Betriebsvereinbarungen.
Was verspricht 2011?
Die beginnende Erholung im letzten Jahr wird nach heutiger Einschätzung in einem weiteren Aufwärtstrend in diesem Jahr bestätigt. Für das Projektgeschäft erwartet PAC für 2011 schon wieder mehr als 4 Prozent Wachstum, für Outsourcing sogar über 6 Prozent.
Für alle IT-Servicemärkte bleiben Transformationsprojekte ein wichtiger Wachstumsmotor. Nach wie vor stehen Unternehmen vor der Herausforderung, Infrastrukturen und Anwendungslandschaften zu konsolidieren und zu modernisieren, und damit effizienter, leistungsfähiger und flexibler zu machen.
Ein positiver Trend hierbei ist, dass Anwender wieder zunehmend bereit sind, in Innovation zu investieren – sofern sie einen nachweisbaren Mehrwert generiert. Die wichtigsten Investitionsfelder sind dabei oft nicht gänzlich neu, rücken aber erneut in den Vordergrund.
So ist z.B. die Unterstützung von Unternehmenswachstum zurück auf der Prioritätenliste. Es geht wieder darum, das Geschäft mit Bestands- und Neukunden auszubauen, neue Regionen zu erschließen und Vertriebskanäle zu bündeln. Weitere wichtige Investitionsfelder umfassen Collaboration und Enterprise Mobility, CRM, Informationsmanagement, Compliance und Nachhaltigkeit, „Embedded IT“, aber auch zahlreiche branchenspezifische Themen wie beispielsweise PLM, Multichannel-Integration, E-Government, E-Health, Smart Energy, u.ä.
Der deutsche Markt für Projektgeschäft bietet also kurz- bis mittelfristig robuste Wachstumsaussichten. Mittel- bis langfristig gerät der Markt allerdings durch Konzepte wie Cloud Services und Outsourcing unter Druck.
Die angesprochenen „Innovations-Budgets“ werden zudem nicht selten durch Kosteneinsparungen bei Standardprodukten und dienstleistungen generiert werden. Und ein großer Teil der aktuellen Investitionen hat nach wie vor zum Ziel, mittelfristig die Gesamtkosten für IT zu senken.
Hierzu sind Entscheidungsträger auch zunehmend bereit, Standards zu akzeptieren – und folgen damit vermehrt dem Cloud-Paradigma.
*Die Zukunft der IT-Services-Landschaft *
Aber nicht nur Cloud-Services selbst werden an Bedeutung gewinnen und den Trend zu externem Sourcing weiter verstärken; sie werden insbesondere auch einen massiven Einfluss auf die Anbieterlandschaft ausüben, ebenso wie auf Architektur und Preisgefüge konventioneller Dienstleistungen.
So konnte der Anteil von Outsourcing am deutschen IT-Servicemarkt in den vergangenen zehn Jahren bereits von 27 Prozent auf 45 Prozent zulegen. Und bei einem – zugegebenermaßen nicht ganz ungetrübten – Blick ins Jahr 2020 erwartet PAC einen Anteil des Outsourcing – bzw. dessen, was wir heute noch so nennen – von annähernd 60 Prozent.
Natürlich setzt ein solches Szenario voraus, dass sich die IT-Bereitstellung gemäß dem Cloud-Ansatz weiterentwickeln wird – unabhängig davon, wie dieser Cloud-Ansatz im Einzelnen umgesetzt wird (Private Cloud, Public Cloud, etc.).
Spiegelt man den heutigen Status quo des Cloud-Konzepts an den fünf Erfolgsfaktoren für die Durchsetzung von Innovation im Markt („Diffusion“) nach Everett M. Rogers, ergibt sich ein recht klares Bild, an welchen Stellen derzeit insbesondere Nachholbedarf besteht:
Aber wurde nicht in ganz ähnlicher Weise noch vor wenigen Jahren das konventionelle IT-Outsourcing diskutiert? Mit zunehmender Reife, Professionalisierung und Standardisierung trat diese Skepsis aber in den Hintergrund und machte Platz für weitgehend faktenbasierte „Make-or-Buy“-Entscheidungen. Eine Entwicklung, die auch für die neuen Angebote zu erwarten ist.
Aber während Outsourcing bzw. die Service-Bereitstellung durch externe Anbieter von dieser Entwicklung profitieren wird, werden Umsätze mit konventionellen Hardwareprodukten und Softwarelizenzen in dieser langfristigen Betrachtung signifikant zurückgehen. Angesichts mit Sicherheit weiter zunehmender Softwarenutzung und -durchdringung lässt sich schon erahnen, dass diese zukünftige Outsourcing-Entwicklung viel mit „Verschieben“ zu tun hat und weniger mit einem gänzlich neuen Markt.
Natürlich ist eine grundlegende Eigenschaft des Outsourcing, dass es per se nichts völlig Neues beinhaltet, sondern Bestehendes verlagert und ggf. verändert. Allerdings wurden bislang im IT-Outsourcing noch vor allem kundeninterne Leistungen nach außen vergeben – und damit Teil eines „Marktes“. Heute ersetzen Betriebsleistungen zunehmend bereits externalisierte, d.h. durch Dritte bezogene Produkte und Dienstleistungen.
Das gilt auch für bereits im Outsourcing befindliche Leistungen. Der Wechsel des Outsourcing-Providers nach der Vertragslaufzeit – ein Phänomen, das im deutschen Markt noch vor wenigen Jahren kaum eine Rolle spielte – ist mittlerweile immer häufiger zu beobachten. Zum einen macht die erreichte Reife des Marktes einen Anbieterwechsel überhaupt erst zu vernünftigen Konditionen realisierbar. Zum anderen ist die Anbieterseite gezwungen, sich vermehrt um die Kunden der Wettbewerber zu bemühen, um Wachstum zu realisieren.
Der Kunde profitiert dabei vom „Überbietungs-Wettstreit“ der Provider – nicht mehr nur bezüglich Preis, sondern immer mehr hinsichtlich Flexibilität.
Aus Providersicht aber führen Cloud- und andere Plattform-basierte Ansätze nicht nur zu einer Verlagerung vieler Dienstleistungen von (vielen) Kunden hin zu (wenigen) Providern, sondern machen manche Services sogar völlig obsolet. Trotz großer Potenziale, auch für Services „für und rund um“ Cloud-Angebote wird in Summe die Nachfrage nach vielen etablierten Dienstleistungen abnehmen.
Das gilt insbesondere für das Consulting- & Systemintegrationsgeschäft. Schließlich leben weite Teile des konventionellen IT-Dienstleistungsmarkts von Komplexität, Heterogenität und Individualität. Heutiges, und vor allem zukünftiges Outsourcing, inklusive Cloud-Konzept, steht für Standard, Flexibilität und Einfachheit in der Nutzung – von Produkten wie von Services.
Hinzu kommt, dass die Konvergenz von IT und Telekommunikation sowie die wachsende Bedeutung von IT für die meisten Produkte und Dienstleistungen den Markteintritt neuer Anbietergruppen forcieren, zum Beispiel von Telekommunikationsbetreibern, Geräteherstellern oder Maschinen- und Anlagenbauern.
Mittlerweile scheinen die meisten traditionellen IT-Anbieter die herausragende Bedeutung dieser Entwicklungen für Ihre eigene Zukunft erkannt zu haben und beginnen, sich entsprechend strategisch neu zu orientieren. Nahezu alle – Beratungsfirmen, Systemintegratoren, Outsourcer, Soft- und Hardware-Hersteller sowie deren Channel-Partner (VARs) – überdenken derzeit ihre Geschäftsmodelle.
Gleichzeitig führt die zunehmende Reife des IT-Markts zu einer immer deutlicheren Konzentration bei den IT-Anbietern. Sie treiben verstärkt Fusionen und Übernahmen voran, um Skaleneffekte zu generieren, die geografische Reichweite auszudehnen, ihr Portfolio zu diversifizieren und neue Geschäftsmodelle aufzubauen.
Die Übernahme von Siemens IT Solutions & Services durch Atos Origin wird wohl nicht das letzte Beispiel dieser Art bleiben.
Diese Metamorphose des IT-Dienstleistungssektors birgt langfristig zweifelsohne zahlreiche Herausforderungen für die heute etablierte Anbieterlandschaft und verlangt an vielen Stellen ein Umdenken, auf Provider- wie auf Kundenseite.
Insbesondere die aufkommenden Cloud-Modelle versprechen aber auch immenses Potenzial. Beispielsweise steht zu erwarten, dass sie die weitere Durchdringung neuer Prozesse und Kundengruppen mit Informationstechnologie vorantreiben. Aber auch weit über die IT hinaus wird nicht nur die Entwicklung neuer, „Cloud-basierter“ Services erleichtert, sondern auch deren Vermarktung immens beschleunigt werden.
Und nicht zuletzt birgt die Entwicklung das Potenzial für die deutsche Volkswirtschaft, zukünftig nicht nur Produkte, sondern auch digitale Dienstleistungen in größerem Ausmaß zu exportieren als dies heute geschieht. Schließlich bauen Cloud-Dienste auf stark automatisierten Modellen auf, die den Nachteil des Hochlohnlandes relativieren und zudem die spezifischen Stärken, zum Beispiel sehr hohe Datenschutzbestimmungen, in den Vordergrund rücken. „Made in Germany“ könnte damit zukünftig – die richtigen Weichenstellungen und eine gezielte Förderung von Innovation vorausgesetzt – auch im Dienstleistungsumfeld ein Aushängeschild werden.
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