














Von Christoph Witte
Vorerst funktioniert der neue IP-Telefonieservice, call phone, den Google als neues Feature für sein kostenloses E-Mail-Angebot GMail seit Kurzem anbietet, nur in den USA. Doch der Ansatz, dank des neuen Services die bestehenden Elemente einer funktionsreichen Unified Collaboration- & Communication-Lösung (UCC) zu vervollständigen, ist bereits vor dem weltweiten Rollout des neuen Features erkennbar. Damit entsteht nicht nur eine Konkurrenz für Skype, sondern auch für UCC-Anbieter.
Mit call phone bietet Google seit kurzem einen Voice over IP Service aus seinem Mail Client GMail heraus an. Er erlaubt es, zurzeit allerdings offiziell nur in den USA, vom Rechner aus Gespräche mit Kommunikationspartnern über mobile Endgeräte oder Festnetztelefone zu führen. Innerhalb der USA und Kanadas ist der Service kostenlos. Auslandsgespräche werden mit wenigen Dollar-Cent pro Minute abgerechnet.
Wie fast immer bei Google ist die VoIP-Funktion simpel zu installieren. Vorausgesetzt, der User nutzt bereits Google Chat, reicht es, call phone herunterzuladen und die Installation zuzulassen. Die Installationsroutine erledigt den Rest. Im Ergebnis integriert sich call phone in die Chat-Funktion des Google-E-Mail-Clients.
Hiesige Benutzer können das Plug-in zwar installieren, aber noch nicht wirklich nutzen, weil Google den Dienst offiziell zunächst nur in den USA anbietet. Der weltweite Rollout soll später erfolgen, ist aber noch nicht offiziell terminiert. Allerdings weisen viele Foreneinträge darauf hin, dass der Dienst zwischen USA und Europa bereits funktioniert.
Damit Benutzer außerhalb der USA das Plug-in installieren können, müssen sie in den Kontoeinstellungen ihres GMail-Accounts die Sprache „Englisch (US)“ wählen. Drückt man den Call Button, erscheint ein einfaches Tastenfeld auf dem Bildschirm, in dem die entsprechende Nummer eingegeben oder aus den Kontakten heraus angewählt werden kann. Genauso wie bei Skype, funktioniert die Kommunikation am besten mit einem Headset. Internationale Gespräche von den USA aus können zu einem moderaten Minutenpreis geführt werden. Von den USA ins deutsche Festnetz berechnet Google 0,02 $, während Skype für die Gegenrichtung 0,026 € in Rechnung stellt. Allerdings kann der Anrufer anders als bei Skype nur über einen Rechner anrufen, der online ist. Per Handy oder Smartphone können zwar Gespräche angenommen, aber nicht initiiert werden.
Trotz der oben beschriebenen Einschränkungen schließt Google mit call phone eine wichtige Lücke im Unified-Collaboration- & Communication-Angebot des Search-Spezialisten. Bis auf den VoIP-Dienst bietet Google für Endanwender und Unternehmen andere wichtige UCC-Elemente nämlich bereits an. Beispielsweise sind in der App-Suite des Herstellers für Unternehmen folgende Elemente vorhanden.
Diese Apps sind miteinander integriert, sodass sich alle in den kollaborativen Werkzeugen nahtlos nutzen lassen. Damit nicht genug hat Google vor einigen Monaten den Apps-Markteplace eröffnet, auf dem Entwickler verschiedenste Applikationen anbieten können, die die Funktionalität der App-Suite schnell erweitern dürften. Die Premier-Edition der App-Suite bietet Google für rund 40 Euro pro Nutzer und Jahr an.
Google Voice (bisher nur in den USA): Dieser Telefon-Management-Service ist noch nicht in die App-Suite von Google integriert. Er erlaubt es, beliebige Telefonanschlüsse unter einer zentralen Google-Telefonnummer zu bündeln. Der Dienst leitet die eingehenden Telefonate an die verschiedenen Telefone des Nutzers weiter. So ist der Nutzer an jedem Endgerät seiner Wahl nur noch unter einer Nummer erreichbar.
Mit den oben aufgelisteten Applikationen und Funktionen bietet Google – vor allem, wenn call phone und Voice international verfügbar sein werden, ein reiches UCC-Angebot, mit dem Skype bei Weitem nicht mithalten kann, zumal die dort ebenfalls offerierten Zusatzapplikationen wie Filesharing nicht so nahtlos ineinandergreifen wie bei Google.
Die Kehrseite der Medaille stellt wie immer bei Google die Sorge um den Datenschutz dar. Das Unternehmen steht zumindest bei den kostenfrei angebotenen Applikationen immer unter dem Generalverdacht, den Datenschutz nicht ernst zu nehmen und die Daten der Nutzer für ihre Werbekunden zu analysieren. Solange Google im Unternehmensumfeld nicht absolut eindeutig und nachvollziehbar im Sinne des Datenschutzes handelt, werden professionelle Anwender daher mehrheitlich den Collaboration-Angeboten von Google fern bleiben – obwohl sie sehr viel Funktionalität zu einem sehr kleinen Preis bieten.
Interessant dürfte die Reaktion der Skype-Verantwortlichen werden. Vielleicht flüchten sie sich ja tatsächlich in die Arme von Cisco, das Gerüchten zufolge schon intensive Gespräche über eine mögliche Übernahme von Skype führt. Zusammen mit dem UCC-Angebot von Cisco (UCC Enterprise und UCC Express) würde Skype gegenüber Google mehr als auf Augenhöhe kommen. Ohne einen starken UCC-Partner blieben sie aber in Sachen Funktionalität und Integration weit hinter dem Search-Spezialisten zurück.
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