














Von Frank Niemann
Der Markt für Software in Deutschland ist deutlich in Bewegung gekommen. Gründe für die Dynamik sind einerseits die wieder anziehende Investitionsbereitschaft der Anwender, gleichzeitig aber sorgen Themen wie die Verbesserung von Geschäftsprozessen und Cloud Computing für Verschiebungen im Marktgefüge.
Alle von PAC beobachteten Marktsegmente im Softwareumfeld haben sich, wenn auch in unterschiedlicher Weise, von den Rückgängen durch die Krise erholt. Starkes Wachstum verzeichnet PAC derzeit bei Betriebssystemen, was natürlich sehr stark mit dem Erfolg von Windows 7 nach dem Vista-Ausrutscher zusammenhängt. Ebenfalls gefragt sind Middleware, Information Management (unter anderem Business Intelligence und Content Management) sowie Geschäftsanwendungen.
Die Situation wird sich jedoch innerhalb der nächsten Jahre ändern: Betriebssystemsoftware wird, bezogen auf den Umsatzanteil im Softwaremarkt, deutlich an Bedeutung verlieren. Zulegen werden dagegen Geschäftsapplikationen und Middleware. Unter Geschäftsapplikationen sind betriebswirtschaftliche Anwendungen, Kunden-Management-Systeme sowie branchenspezifische Softwarelösungen zusammengefasst. Zur Middleware gehören unter anderem Integration und Ausführung, Geschäftsprozesssteuerung und -optimierung sowie Integration.
Somit verschieben sich die Gewichte im Markt in Richtung von Lösungen, die dazu geeignet sind, Abläufe in den Unternehmen zu verbessern beziehungsweise innovative, neue Prozesse zu entwickeln. Einerseits verändert dies den Anbietermarkt, weil Softwarelieferanten sich deutlich schneller als bisher vom Technologie- zum Lösungsanbieter wandeln müssen. Andererseits ist abzusehen, dass sich IT-Dienstleister mit Prozessberatungskompetenz vermehrt als Produktanbieter betätigen beziehungsweise Softwarehäuser ihr Geschäft im Dienstleistungsumfeld ausbauen werden.
Doch die steigenden Budgets für Cloud Services sind nur eine Seite der Medaille. Die Angebote der internationalen IT-Anbieter und Dienstleister bestimmen mindestens im gleichen Maße wie die zur Verfügung stehenden Gelder darüber, wie schnell Cloud Services die IT Landschaft erobern werden. Das sind natürlich zum einen die globalen Produktanbieter wie Microsoft, Amazon, IBM und Salesforce, die bereits eigene Clouds anbieten. Andere globale Anbieter wie HP, Cisco, Dell und SAP gehören ebenfalls zum erweiterten Kreis der Cloud Adapten. Nur Oracle hinkt als einziger globaler Anbieter zurzeit hinterher. Zum anderen werden die internationalen IT Dienstleister wie Accenture, CSC und andere für die großen Anwender eine wichtige Rolle spielen. Noch machen sie zwar den Großteil ihres Geschäftes mit klassischer IT Beratung und -Dienstleistungen, aber auch bei ihnen spielt das Cloud Business eine zunehmend wichtige Rolle. Zurzeit beraten sie ihre Kunden, auf welchem Weg sie am besten in die Cloud gelangen. Einige bieten bereits eigene Cloud-basierte Infrastrukturen und Software-as-a-Service an, andere bereiten sich darauf vor. Von diesen internationalen IT-Dienstleistern wird sehr stark abhängen, welchen Weg die großen Anwenderunternehmen beschreiten – eher Richtung Private Cloud oder eher Richtung Public Cloud. Die Private Cloud dürfte Ihnen voraussichtlich noch als die sympatischere Variante erscheinen, weil sie Ihnen einen langsameren und geregelten Übergang in das neue Geschäftsmodell ermöglicht. Deshalb werden die großen IT Dienstleister 2011 verstärkt Cloud-basierte Modelle anbieten, bei denen sie selbst nur einen Teil des Investitions und Betriebsrisikos übernehmen. Welche Modelle das sein werden, ist noch nicht wirklich absehbar, aber sie werden den meisten Analysen zufolge irgendwo zwischen public und private liegen.
In beiden Fällen wird der Markt eine Reihe von Produkten hervorbringen, die sowohl aus Software, Beratung und anderen Dienstleistungen bestehen. Entsprechende Koalitionen und Übernahmen gab es und wird es weiter geben. Ein jüngstes Beispiel dafür ist der Kauf des auf die Konsumgüterindustrie fokussierten Softwareanbieters CAS AG durch Accenture. Der IT-Dienstleister kooperiert darüber hinaus mit SAS Institute auf dem Gebiet von analytischen Lösungen. Software AG erwarb mit IDS Scheer auch eine große Zahl an Beratern. IBM betätigt sich bereits seit einer Weile als Einkäufer auf dem Softwaremarkt und schnürt Pakete, die Softwarelösungen und Services beinhalten.
Eine weitere Veränderung des Softwaremarktes führt Cloud Computing herbei. Angestachelt durch den Erfolg von Google sowie Salesforce.com gehen viele Softwarefirmen dazu über, ihre Produkte Cloud-fähig zu machen. Auf diese Weise wollen sie ihre Kunden in die Lage versetzen, die Software selbst zu betreiben oder „in the Cloud“ zu nutzen. Dies ist nicht so selbstverständlich wie es sich anhört, denn viele Anbieter, wie etwa Salesforce.com, haben reine Cloud-Lösungen; andere Hersteller können zwar ein Cloud-Produkt vorweisen, dieses aber läuft auf einer anderen technischen Basis als das Softwareprodukt für den Inhouse-Betrieb beim Kunden. Aus Sicht von PAC wird es künftig eine große Rolle spielen, ob und wie Cloud- und Inhouse-Lösungen miteinander verbunden werden können. Firmen werden ihre bestehenden Systeme nur zum Teil gegen Cloud-Alternativen eintauschen, bei Neuinvestitionen ziehen sie in Zukunft verstärkt Cloud-Angebote in Betracht. Im Umfeld der Geschäftsanwendungen zum Beispiel für das Kunden-Management (CRM).
Bezogen auf die Verschiebung im Softwaremarkt in Richtung Lösungen und Prozesse bleibt der Einfluss von Cloud Computing gering. Die Cloud (privat oder öffentlich) ist zunächst einmal eine andere Form, Softwarefunktionen bereitzustellen und zu nutzen. Am steigenden Bedarf an Lösungen zur Verbesserung von Geschäftsprozessen ändert dieser Umstand wenig. Was sich ändert, sind jedoch die Wertschöpfungsmodelle (Lizenz- und Wartungseinnahmen) der Anbieter sowie der Firmen, die es gewohnt waren, Software beim Kunden zu installieren. Für Softwareanbieter sowie deren Reseller/Partner wird sich einiges ändern, da ihnen die Cloud andere Spielregeln aufzwingt.
Sinken wird der Bedarf an Softwareprodukten, die lediglich reine Standardfunktionen (etwa E-Mail- und Bürosoftware) oder Betriebssystem- Funktionen bereitstellen. Letztere sind bekanntlich die Kernprodukte von Microsoft. Daher wundert es nicht, dass der amerikanische Softwarekonzern nun sehr aggressiv in den Cloud-Markt vorstößt. Die von Microsoft angebotenen Leistungen umfassen Plattformen (Platform as a Service), Infrastruktur (Infrastructure as a Service) und Softwareanwendungen (Software as a Service). Für alle Softwaresparten, in denen Microsoft aktiv ist – ausgenommen sind ERP-Systeme – soll es alternativ zu den klassischen Produkten Cloud-Services geben, lautet das Credo des Unternehmens.
*Frank Niemann ist Director Software Markets bei Pierre Audoin Consultants (PAC) und leitet das Software Research Program DACH. Er ist erreichbar unter f.niemann@pac-online.com. Weitere Informationen zu PACs Software Research Program erhalten Sie auf unserer Homepage.
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