














Von Christoph Witte
Mangelnde Sicherheit in der Cloud galt und gilt teilweise noch als Totschlagargument gegen die Nutzung von Cloud-Services im Unternehmen. Doch während noch nicht alle Compliance-Bedenken (Datenschutz/Auditfähigkeit der Cloud-Provider) ausgeräumt werden können, entsteht langsam ein differenzierteres Bild in Sachen Sicherheit in virtualisierten Umgebungen, die bekanntlich die technische Basis für Cloud Computing bilden. Voraussetzung dafür ist allerdings ein neues Sicherheitsverständnis.
Mit „neuem“ Sicherheitsverständnis sind keineswegs Abstriche an der Absicherung gemeint. Es geht viel mehr darum: Im klassischen Enterprise Computing bezieht sich Sicherheit vor allem auf die Absicherung des eigenen Netzwerkperimeters. Die hinter diesem Vorgehen liegende Logik ist relativ einfach. Alles, was innerhalb des eigenen Netzwerks liegt, gilt als sicher beziehungsweise schützenswert, und alles, was außerhalb liegt, ist tendenziell unsicher. Diese Unterscheidung zwischen sicherem Innen und unsicherem Außen wird aber in Zeiten des Internets und des Cloud Computing zunehmend obsolet. In Sachen Enterprise IT gibt es künftig kein Innen und Außen mehr. Deshalb ist ein Sicherheitsverständnis nötig, das ohne diese Richtschnur auskommt und stattdessen Daten und Infrastruktur ihrer Sensibilität entsprechend sichert.
Der aktuelle Ansatz hierzu lautet Defense in Depth (DiD). Dieses Konzept geht nicht mehr von einer, sondern je nach Bedeutung der Daten, von mehreren überlappenden Schutzmaßnahmen aus. Die Sicherheitsanbieter haben inzwischen ebenfalls auf die neuen Sicherheitsanforderungen einer virtualisierten und verteilten IT reagiert und sogenannte Virtual-Security-Lösungen auf den Markt gebracht, die in der Lage sind, virtuelle Umgebungen effektiv zu schützen. Allerdings werden diese Lösungen verschiedenen Marktforschern zufolge nur schleppend angenommen.
Neben der Auflösung des inneren Netzwerkperimeters, der einen effektiven Schutz der unternehmenseigenen Daten nicht mehr gewährleisten kann, birgt Cloud Computing einige spezifische Security-Risiken. Die European Network and Information Security Agency (ENISA), quasi das europäische Pendant des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat in der Studie „Cloud Computing – Benefits, risks and recommendations for information security“ 35 cloudspezifische Sicherheitsrisiken unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit und mit unterschiedlich gravierenden Auswirkungen identifiziert, die durch 31 Sicherheitslücken zustande kommen.
Folgende acht Risiken stuft die europäische Behörde als hoch ein:
Einige dieser Risiken sind rein rechtlicher Natur, andere haben mit gesetzlichen Vorschriften zu tun (Datenschutz, Compliance), die durch die stärkere Arbeitsteilung in der Cloud verschärft werden. Sie werden sich nicht komplett lösen lassen. Aber vielversprechende Ansätze sind vorhanden. Für die rein technischen Risiken (fehlende Separierung, Verwundbarkeit des Hypervisors, etc.) stellen verschiedene Security-Anbieter entweder bereits Lösungen (Virtual Security) zur Verfügung oder zumindest zeichnen sich Wege zu mehr Sicherheit ab, wie die Defense-in-Depth-Konzepte zeigen.
Dennoch bleiben Sicherheits- und Compliance-Lücken im Sektor Cloud Computing zu schließen. Es wäre allerdings auch etwas früh, für dieses sehr junge Computing-Modell ein alles umfassendes Sicherheitskonzept zu erwarten. Anwender sollten deshalb pragmatisch vorgehen. Unkritische Daten und Anwendungen lassen sich – die individuelle Wirtschaftlichkeit des Vorgehens vorausgesetzt – inzwischen problemlos in die Cloud verlagern. Tausende von Unternehmen tun das bereits. Das Gleiche gilt für Webanwendungen, Testumgebungen und andere nicht unternehmenskritische Anwendungen und Daten. Nicht der typisch deutsche „Alles-oder-nichts“-Ansatz, sondern der pragmatische „Probieren-was-geht“-Weg ist in Sachen Cloud der einzig empfehlenswerte.
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