














Autor: Christoph Witte
Mit dem Ende September angekündigten Kauf von Perot Systems will Dell offensichtlich ernsthaft im weltweiten Markt für IT-Services mitmischen. Keineswegs ausgemacht ist allerdings, dass der mit starkem Gegenwind kämpfende Hardwarehersteller in Perot Systems den richtigen Partner, mit dem passenden Portfolio und der adäquaten Größe gefunden hat.
Am 21. September kündigte Dell an, Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar zu übernehmen und zu einer Business Unit des Hardwareherstellers zu machen, in der sämtliche Serviceaktivitäten der Company gebündelt werden. Chef der neuen Servicesparte wird Peter Altabef, der bisherige CEO von Perot Systems. Ross Perot Jr., als Chairman des Dienstleisters Nachfolger seines Vaters, erhält möglicherweise einen Sitz im Verwaltungsrat von Dell. Mit 3,9 Milliarden zahlt Dell pro Aktie 30,00 Dollar, 68 Prozent mehr als die Perot-Aktie am 18. September, vor Bekanntgabe des Deals, gekostet hat. Dell verfügt den letzten Jahresberichten der beiden Unternehmen zufolge damit über einen kombinierten Serviceumsatz pro Jahr von etwa 8,5 Milliarden Dollar.
Definitiv schlägt Dell mit der geplanten Übernahme ein neues Kapitel in der Unternehmensentwicklung auf. Bisher sehr stark auf Rechner, Speicher und Peripheriegeräte ausgerichtet, die das Unternehmen hauptsächlich direkt vertreibt, spielte das maschinennahe Servicegeschäft auch nach eigener Einschätzung eine untergeordnete Rolle. Im Bericht über das erste Geschäftsquartal 2010 erklärte das Management den Rückgang des Servicegeschäftes lapidar damit, dass die Serviceumsätze stark von der Stückzahl der abgesetzten Rechner abhängen. Sich aus dieser Abhängigkeit ein Stück weit zu befreien und die zurückgehenden Umsätze und Margen im Hardwaregeschäft zu kompensieren, ist ganz klar das Ziel der Übernahme. Frische Umsatzquellen zu erschließen, hat Dell denn auch bitter nötig. Die Einnahmen erodieren. So sanken die Umsätze und Gewinne sowohl im Produkt- als auch im Servicebereich zuletzt stark (siehe Grafik 1).
Auch Perot-Systems konnte sich der Krise nicht entziehen und erzielte im ersten Halbjahr 2009 leicht rückläufige Umsätze gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, konnte die Gewinne allerdings stabil halten (siehe Grafik 2).
Der Jahresumsatz erhöhte sich 2008 gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent auf 2,78 Milliarden Dollar. Der Nettoumsatz stieg im gleichen Zeitraum um 1,7 Prozent auf 117 Millionen Dollar. Das ist solide, deutet aber nicht darauf hin, dass Dell mit Perot Systems einen dynamisch wachsenden IT-Dienstleister erwirbt. Rein rechnerisch kompensieren die Jahreseinnahmen von Perot nicht einmal die Umsatzrückgänge, die Dell im letzten Quartal verzeichnete. Legt man das letzte Jahresergebnis von Dell und Perot zugrunde, kommt das kombinierte Servicegeschäft (Dell: 5,71 Milliarden, Perot: 2,78 Milliarden Dollar) bei 8,5 Milliarden Dollar Serviceumsatz auf einen Anteil am Gesamtumsatz von 13,9 Prozent. Das sind 4,9 Prozentpunkte mehr als Dell ohne Perot erzielen würde. Das liest sich von den Zahlen her nicht sehr beeindruckend. Da Dell am Ende des laufenden Geschäftsjahres jedoch deutlich geringere Einnahmen ausweisen wird als im vergangenen Geschäftsjahr, dürfte sich die Relation zugunsten des Servicegeschäftes verschieben. Allerdings entsteht der Eindruck, dass Dell mit Perot erst sehr spät auf den Servicezug aufgesprungen ist und der zusätzliche Hebel nicht stark genug sein könnte, um viel zu bewegen.
Bleibt also die Hoffnung auf die Zukunft. Positiv stimmt da zunächst die relative Stärke des Servicemarktes. Dieses Segment ist in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gewachsen und wird aufgrund neuer Delivery-Modelle (Managed Services, SaaS, Cloud Computing, IT-Utilities etc.) sowie der zunehmenden Akzeptanz in der Anwenderschaft weiter zunehmen.
Ebenfalls auf der Habenseite ist zu notieren, dass sich die Services von Perot und Dell ergänzen. Dell ist hauptsächlich auf der Infrastrukturseite unterwegs, Perot hat dagegen höherwertige Dienstleistungen bis hin zum Business Process Outsourcing im Portfolio. Aber auch die Infrastrukturservices von Dell lassen Presseberichten zufolge deutlichen Raum für Verbesserungen. Eine eigene Division, die mit ausgebufften Servicespezialisten gut besetzt ist, könnte da viel bewegen.
Außerdem ist der Dienstleister teilweise in Märkten stark, in denen Dell nicht allzu viel vorzuweisen hat. Bei diesen Perot-Kunden ergeben sich gute Verkaufsmöglichkeiten für Dell-Hardware. Beispielsweise könnten sich im amerikanischen Healthcare-Markt durch den Reformdruck der Obama-Adminstration gute Chancen auftun. Das Wallstreet Journal mutmaßte sogar, dass die Übernahme hauptsächlich aus diesem Motiv angestrebt werde. Allerdings basiert diese Spekulation auf einer Rechnung mit einer großen Unbekannten. Die große US-Gesundheitsreform ist noch weit davon entfernt, vom Parlament verabschiedet zu werden.
Negativ auf die Entwicklung des zukünftigen Servicegeschäfts von Dell/Perot kann sich allerdings die starke US-Abhängigkeit von Perot und teilweise auch von Dell auswirken. In Europa spielt Perot nur eine kleine Rolle im Servicemarkt. In Deutschland wird der Dienstleister im PAC-Ranking der größten IT-Diensleister nicht unter den ersten dreißig gelistet. Allerdings hatte Perot bereits vor der Übernahme durch Dell angekündigt, sich künftig stärker auf Europa konzentrieren zu wollen. Dazu dienten beispielsweise die Aufkäufe von High Q in Deutschland und von Original Solutions in Irland. Da Perot auch in der neuen Dell-Division vom gleichen CEO geführt wird, kann man davon ausgehen, dass Europa einer der Foksupunkte für das Service-Geschäft bleibt.
Insgesamt zeichnet sich Perot in den letzten Jahren nicht durch starkes Wachstum aus. Dells Umsätze außerhalb der USA machen zwar nach eigenen Angaben rund 45 Prozent an den Gesamteinnahmen aus, aber sie sinken rapide: Im letzten Quartal schrumpfte der Nicht-US-Umsatz um 27 Prozent. Selbst in den BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien und China), deren Sozialprodukte nach wie vor wachsen, brachen die Einnahmen um 17 Prozent ein.
Ebenfalls ein Problem darstellen, könnte Perots „klassisches“ Image. Zwar zeigen sich die Kunden mit den Dienstleistungen von Perot sehr zufrieden, aber das Unternehmen wird nicht besonders häufig mit zukünftigen Entwicklungen wie Software as a Service oder Cloud Computing in Zusammenhang gebracht.
Last but not least sollte noch erwähnt werden, dass der geplante Deal Dells bisher größte Übernahme ist. Der Direktversender hat noch keine Erfahrungen gesammelt mit der Integration so großer Einheiten in das eigene Geschäft. Das verspricht Reibungsverluste und nimmt viel Zeit in Anspruch, die den Marktaktivitäten fehlen könnte.
Die Aussichten von Dell, die eigene Position im globalen IT-Service-Markt mit der Übernahme von Perot Systems zu verbessern, stehen gut. Auch Perot-System kann sich unter dem neuen Dach positiv entwickeln. Kunden, denen Dell bisher keine höherwertigen Services anbieten konnte, können durch die neue Division jetzt konsequenter betreut werden. Allerdings hat Dell für seinen späten Einstieg in diesen Markt einen hohen Preis bezahlt. Was die Chancen betrifft, den Serviceanteil am Gesamtumsatz in einigen Jahren auf ein ähnliches Niveau zu schrauben wie HP oder sogar IBM, sollten eher skeptisch gesehen werden.
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