














Ein Beitrag von Frank Niemann, Philipp Carnelly, Olivier Rafal, Scott Tiazkun (Softwareanalystenteam PAC)
Mit der Absicht, den SaaS-Anbieter von HCM-Lösungen SuccessFactors zu kaufen, unterstreicht der Softwarekonzern seine Cloud-Ambitionen. Allerdings ist der Kaufpreis von 3,4 Milliarden US-Dollar ziemlich hoch. PAC-Analysten bewerten den kühnen Schachzug des Softwarehauses.
Auf den ersten Blick fällt auf, wie viel Geld bereit ist, für den Zukauf auszugeben. 3,4 Milliarden US-Dollar (40 $ pro Aktie) bedeutet ein Aufschlag von 52% auf den Schlusskurs vom Vortag der Bekanntgabe der Übernahme, was dem zehnfachen Jahresumsatz gleichkommt. SuccessFactors kann ein Wachstum von ca. 50% pro Jahr verzeichnen, aber wie bei vielen schnellwachsenden SaaS-Unternehmen bleiben die Gewinne aus.
Somit handelt es sich um einen weiteren großen Einkauf der SAP AG, die für gewöhnlich nicht zu großen Zukäufen tendiert. Doch dann und wann schlägt das Unternehmen richtig zu – siehe Business Objects und Sybase. Der nun geplante Deal ist jedoch nicht mit den bisherigen großen Transaktionen vergleichbar. Der Grund: Sybase verschaffte SAP ein komplett neues Fundament an allgemein anwendbaren Fertigkeiten (Datenbank, Mobilität), über die die Firma zuvor nur in geringem Umfang verfügte. Dies galt auch für Business Objects. Dagegen verfolgt SuccessFactors eine fokussierte Strategie mit einem relativ klar definierten Angebot (im Wesentlichen sind dies Funktionen für das strategische Personal-Management, also Mitarbeiterbeurteilung, -entwicklung, Talent-Management, etc.) – Themen, mit denen sich alle Unternehmen befassen sollten.
Viel wichtiger für uns ist, dass das Unternehmen bei der Bereitstellung von hoch skalierbaren SaaS-Lösungen reale Erfahrungen vorweisen kann – der Siemens-Vertrag gilt für bis zu 420.000 Benutzer und ein weiterer (nicht benannter) Kunde in den USA hat zwei Millionen registrierte Benutzer. Zusammen kommen die 3.500 Kunden des Unternehmens insgesamt auf um die 15 Millionen registrierte Benutzer. (Im Vergleich hierzu verfügt Salesforce zwar über viel mehr Kunden – ca. 87.000 –, hat aber geringere Benutzerzahlen – nur um die 2 Millionen insgesamt).
Von großer Bedeutung ist ferner, dass der Gründer von SuccessFactors, Lars Dalgaard, dem SAP-Vorstand beitritt und das Cloud-Geschäft des Unternehmens leiten wird.
Im Großen und Ganzen glauben wir, dass dieser Schritt für SAP sehr viel Sinn ergibt, da das SaaS-Geschäft mit einem Anbieter, der in diesem Bereich erfolgreich ist, angekurbelt wird. Außerdem ist es ein gutes Signal für bestehende und potentielle Kunden, dass SucessFactors als eigenständiges Unternehmen bestehen bleibt. Die SAP AG lässt ihre Muskeln spielen und beweist ihren Kunden, dass sie sich ganz der Aufgabe widmet, diese bei der Transformation ihres Unternehmens zu begleiten.
HCM/Mitarbeiterentwicklung über SaaS ist ein Bereich, den SAP derzeit nicht anbietet, es gibt also keine tatsächliche Überlappung. Einerseits ist der Preis sehr hoch. Andererseits könnte SAP solch eine SaaS-Lösung mit dieser Verbreitung nicht innerhalb einer annehmbaren Zeitspanne umsetzen.
Trotzdem gibt es einige Aspekte zu bedenken:
Mit seinen Übernahmeplänen reagiert SAP außerdem auf den Wettbewerber Oracle. Dieser hatte gerade seine eigene Public-Cloud-Strategie verkündet sowie die Fusion-Applikationen veröffentlicht, die auch über die Cloud bereitgestellt werden. Der amerikanische Softwarekonzern untermauerte dann seine Cloud-Position mit einer Übernahme: RightNow, einem CRM-SaaS-Unternehmen (für 1,5 Milliarden US-Dollar, ca. dem Fünffachen des PSR-Ratings).
Zweifellos belegen die Übernahmen von SaaS-Spezialisten durch die großen Softwarekonzerne SAP und Oracle, welche Bedeutung das Geschäft mit Coud-gestützten Lösungen mittlerweile hat. Solche Deals bedeuten außerdem eine (wenn auch nur indirekte) Bedrohung für Salesforce.com bzw. für alle unabhängigen, auf HR ausgerichteten SaaS-Unternehmen wie Taleo, Concur und TalentSoft.
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